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Reformation bis 1906

Ev. Leben von der Reformation bis ins 17. Jhrt.

HÖVEL UND BOCKUM VON 1534-1652 EVANGELISCH

In seinen zur Kriegszeit herausgegebenen „Heimatbriefen" berichtet der Heimatpfleger Arthur Schauerte folgendes:
„1534 trat der Besitzer von Ermelinghof, Gert von Galen, zur Lehre Luthers über. Er war von seinem Bruder, dem Domherrn und Kirchherrn, dazu bewogen worden." Dem Einfluß der Familie von Galen, die 118 Jahre hindurch evangelisch geblieben ist (bis 1652) ist es wohl zuzuschreiben, daß auch in Hövel fast 80 Jahre hindurch das Evangelium verkündet wurde. Sehr wahrscheinlich wird der damalige Bischof von Münster, Franz von Waldeck (1532-1552), der die Wiedertäufer niedergeworfen hat und der Reformation freundlich gesinnt war, den Anlaß zum Übertritt gegeben haben. Wie ja viele Adlige des Münsterlandes der Reformation beigetreten sind. Wünschte doch Franz von Waldeck - 1545 - nichts lieber sehen zu wollen als „daß in unseren Stiften und Landen und besonders in unserer Stadt Münster die reine Lehre des Evangeliums gepflanzt und gepredigt werde".
Auch Superintendent Friedrich Brune erwähnt in seinem Buch: „Der Kampf um eine evangelische Kirche im Münsterland 1520-1802" die Familie von Galen, „die in ... Hövel lutherischen Gottesdienst einrichten ließ". Etwa um 1550 trat der Sohn des Gert von Galen, ebenfalls ein Gert von Galen, mit seiner Gemahlin Michthild von Korf zur lutherischen Konfession über.

1563 wurde der Prediger Johann oder Theodor Brechte nach Hövel berufen; er war mit einer N. von Plönnies aus Münster verheiratet und führte als erster die „Reform" in Hövel durch.

Auf Brechte, der nach Hamm versetzt wurde, folgte im Jahre 1564 der ehemalige Dominikanerprediger in Göttingen, Johannes Hardt oder Johann Hardius. Über diesen berichtet der Chronist: Hardt war von seinem Kloster in Dortmund nach dem Kloster zu Göttingen geschickt worden. Hier heiratete er und nahm sich die Margarete Wollers dortselbst zum Weibe. Diese nahm er mit sich nach Hövel. Er ließ in der Kirche deutsch singen, veränderte das Meßbuch usw. Da er in deutschen Gesängen und im Predigen sehr geschickt war, so eilten die Bürger aus Hamm an Sonn- und Feiertagen nach Hövel, um ihn zu hören. Die Obrigkeit ließ, um dies zu verhindern, an diesen Tagen das Nordentor schließen. Allein der damalige Bürgermeister von Hamm war ihm sehr geneigt und holte ihn als Prediger nach Hamm, woselbst er mit seinem Weibe den neben dem Kloster liegenden St. Annen-Hof bewohnte und Kinder zeugte. Er wurde später wegen übler Händel vom Rat in Hamm abgesetzt und ist bald danach in Bremen verstorben.

Von 1575 bis nachweislich 1586 war Biter von Galen evangelischer Pastor von Hövel. Er war ein Sohn des Jobst von Galen und Neffe von Gert von Galen. In den Akten des Hauses Ermelinghof (im Staatsarchiv zu Münster) findet sich folgende Urkunde mit Wachssiegel, deren Inhalt in deutscher Übersetzung etwa lautet: Amtseinsetzung zum Höveler Pastor für Biter von Galen in Verbindung des Mitanspruchs der Adeligen Margarete von Galen, Äbtissin in Kentrup, durch den Archidiakonus Durus. Schmising am 9. November 1575. (Mehrmals wurde, auch schon früher, eine Äbtissin des Klosters Kentrup „als rechte Lehnsfrau" des Pfarrers in Hövel bezeichnet; sie mußte zur Amtseinsetzung des Höveler-Pfarrers ihre Zustimmung geben; die Einsetzung erfolgte durch den Archidiakonus.)

1576 heißt es bei Schauerte: „Der Pastor von Hövel war evangelisch" (es ist also Biter von Galen gewesen), denn in einer Kirchenrechnung des genannten Jahres steht zu lesen: „Item vor de bibbel und postille gegewen 6 dohler; item de beiden ketten kostet 9 schill." Man pflegte nämlich die Bücher in den Kirchen an Ketten zu legen.

1591 ist Georg von Galen, Sohn des Hammer Bürgers Philipp von Galen, der im genannten Jahr sein Kurator war, Pastor in Hövel; und 1616 wird als Pastor in Hövel ein Henrich Brink genannt.

1618 starb der letzte lutherische Pastor in Hövel, namens Warensbergh.
Wahrscheinlich ist dann die Pfarrstelle mehrere Jahre unbesetzt geblieben; danach ist der katholische Pfarrer Theodor Baggel in Hövel. Er klagte, daß weder Monstranz noch Leuchter, noch Fahnen, noch Weihkessel vorhanden waren (Schwieters 5.279). Die evangelischen Einflüsse wurden unter dem Bischof Ferdinand von Bayern (1612 bis 1650) mehr und mehr zurückgedrängt, das Münsterland wurde wieder katholisch.

Es sollen nun noch einige Einzelheiten als Anzeichen evangelischen Lebens in der genannten Zeit erwähnt sein, die sämtlich dem oben genannten Buch von Friedrich Brune entnommen sind.

So heißt es 1571: Es wird festgestellt, daß die neue lutherische Lehre überall eingeführt war und aus der Kirche in Hövel alle Zeichen des katholischen Kultus entfernt waren.

1572
wird in Bockum das Abendmahl nach lutherischem Ritus ausgeteilt.
Im selben Jahr war Hövel weithin der Reformation zugeneigt gewesen. Es hat jetzt wohl einen katholischen Pfarrer; aber in der Kirche fehlt alles spezifisch Katholische; keine ewige Lampe, keine Fahne u. a. m. Letzte Ölung, Seelenmesse usw. werden nicht mehr gehalten. Naturgemäß ist in Hövel auch kein ernsthaft evangelisches Leben zu finden, da hierzu die Voraussetzungen fehlen.

1601 wird berichtet, daß der Pastor von Bockum, D. Eberhard Hennemann, angibt, nicht zu wissen, daß Christus das Sakrament der Letzten Ölung eingesetzt habe. Sieben Sakramente kann er nicht aufzählen. Glaube, Liebe, Hoffnung seien auch Sakramente. Bisweilen singt man in der Kirche: „Wir glauben all an einen Gott" und „Vater unser im Himmelreich" (also Lutherlieder!).

1613 gibt der Vikar von Bockum an, daß sie keine Monstranz besäßen. Außer der adligen Familie von Ermelinghof sind alle katholisch.

In den Protokollen der „visitationes Episkopales" 1613 bis 1616 heißt es: In dem nahe bei Hamm in Bockum gelegenen Hospital ist von den Konventualinnen nur eine, welche den neuen Glaubenseid nicht abgelegt hat. Zwei Insassen haben noch kürzlich geheiratet. In denselben Protokollen von 1613 bis 1616 heißt es in Walstedde: Es schließen sich nur zwei von der Kommunion aus.

Bei der Visitation 1613 in Herbern wird erwähnt: Es kommunizieren alle unter beiderlei Gestalt. Nur einge wenige halten die Ohrenbeichte. Doch sind alle bis auf einen katholisch.

1652 trat Alexander von Galen mit seiner Familie, die in Ermelinghof wohnte, beeinflußt durch Fürstbischof Christian Bernhard von Galen (1650-1678), zur katholischen Kirche zurück
. Unter diesem Fürstbischof war dann der Sieg Roms besiegelt.

 

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