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Walstedde von Emmi Gabriel

Evangelischer Bezirk Walstedde

Chronologie einer Diaspora-Gemeinde

1882 Walstedde gehört zur evangelischen Kirchengemeinde Ahlen. In Walstedde wird das erste evangelische Kind geboren und acht Tage später in Ahlen getauft. Sein Vater arbeitet im Strontianit-Bergbau, er kam aus Bayern. (Breucking)

1890
In Walstedde wohnen 8 evangelische Christen. (Breucking)

1912 Die Gemeinde zählt 1522 Katholiken und 27 evangelische Christen. Die Evangelischen haben keinen Grundbesitz, sie arbeiten im Bergbau, in der Landwirtschaft , bei der Bahn. (Statistik d. Krs.Lüdinghausen. zit. in Vortrag d. Peter Gabriel v. 05.10.1995, nicht veröffentlicht)

1923 Durch Erlass des Oberkirchenrats kommt Walstedde zur Kirchengemeinde Radbod (Bockum-Hövel). Pfarrer Lorentz ist der Gemeindepfarrer für Hövel und Walstedde. Der Religions- und Konfirmandenunterricht findet - gelegentlich - in den Häusern der evangelischen Christen statt, die Konfirmation wird in der Kirche in Radbod gefeiert, getauft wird in den Familien. (Lorentz)

1933 Pfarrer Lorentz betreut die Gemeinde auch in der Zeit des Dritten Reichs. (Lorentz)

1946 Etwa 600 Vertriebene kommen nach Walstedde, davon sind ca. 360 evangelisch, unter ihnen Pfarrer Bufe (57) aus Rankau (Schlesien). Pfarrer Bufe hält die ersten evangelischen Gottesdienste im Gasthaus Mersmann, dann in der Gaststätte Klunkelfus, später in der 1. Klasse der Volksschule. Der Gustav-Adolf-Verein stiftet ein Harmonium. Ab September betreut Pfarrer Bufe auch die Evangelischen in Drensteinfurt. In den Schulen in Walstedde, Ameke und Herrenstein erteilt er den evangelischen Religionsunterricht. (Bufe)

1949 Im Oktober 1949 schließen sich etwa 30 Frauen der evangelischen Frauenhilfe an. Die Frauen treffen sich vierzehntägig im Saal Mersmann. Die kirchliche Fürsorgerin Frau Starke hält wöchentlich eine Jungscharstunde in der Walstedder Schule. (Bufe)

1950 Die evangelischen Gemeinden Drensteinfurt und Walstedde werden wieder getrennt. In Drensteinfurt übernimmt Pfarrer Roth die dortige Gemeinde. Pfarrer Bufe erkrankte häufig, dann übernahmen die Pfarrer Lorentz und Echternkamp aus Bockum-Hövel Gottesdienste und evangelischen Unterricht. (Bufe) In Walstedde wohnen noch ca. 300 Evangelische. (Brief betr. Kirchgeld an das LKA Bielefeld, 4.110 Nr. 41)

1952 72 Evangelische verlassen Walstedde. Sie finden hier weder Arbeit noch Bauland. Einige evangelische Christen konvertieren zur katholischen Kirche, häufig aus dem Grund, weil sie in eine katholische Familie einheiraten wollen. (Gemeindebericht 1953)

1953 42 evangelische Kinder besuchen die Schulen in Walstedde, Ameke und Herrenstein. Den Religionsunterricht erteilt der evangelische Pfarrer. (Gemeindebericht 1953)

1957 Am 1.Juli triit der 70-jährige Pfarrer Bufe in den Ruhestand. Er betreut aber weiterhin freiwillig und gleichsam ehrenamtlich allein die Gemeinde. (Bufe)

1959 Die Seelenzahl ist bis auf 190 gesunken. (Bufe)

1961 Pfarrer Bufe erkrankt schwer und muss seinen ehrenamtlichen pastoralen Dienst aufgeben. Die Pfarrer Echternkamp, Uffmann, Stöcker und Hilfsprediger Kreutz, sowie der zum Lektor ausgebildete Presbyter Thiele aus Bockum-Hövel halten abwechselnd die Gottesdienste in Walstedde, Hilfsprediger Kreutz erteilt den kirchlichen Unterricht und leitet die Frauenhilfe. (Lorentz)

1964 Pfarrer Böning tritt seinen Dienst in Bockum-Hövel und Herbern an.(Murken)

1967 Am 1. Januar übernimmt Pfarrer Böning auch die Betreuung der Walstedder Gemeinde. Herbern und Walstedde bilden jetzt einen eigenen, den 3. Pfarrbezirk der Kirchengemeinde Bockum-Hövel. In Walstedde leben noch etwa 175 evangelische Christen. Pfarrer Böning wohnt mit seiner Familie in einer Dienstwohnung in Herbern. Die Gottesdienste finden weiterhin in der katholischen Volksschule statt. Feierliche Amtshandlungen wie Taufen, Trauungen und Konfirmationen werden jetzt in der 1952 eingeweihten Auferstehungskirche in Herbern gefeiert.(Gemeindebericht 1967) (Verf.)

1968 Presbyter Grünheid aus Walstedde muss seine Mitarbeit im Prebyterium aus Zeitmangel aufgeben. Walstedde hat nun keinen Presbyter mehr. (Gemeindebericht 1969)

Die Schulreform veränderte die Schullandschaft. Die Volksschulen wurden aufgelöst und in Grund- und Hauptschulen geteilt.(Verf.)

1969 In Walstedde wird eine neue katholische Grundschule eingeweiht. Die Gebäude der aufgelösten Walstedder Volksschule (Schulhaus und ehemalige Knabenschule) stehen zum Verkauf.(Verf.)

1970 Das Ehepaar Gabriel kauft die ehemalige Knabenschule und vermietet den einstigen Klassenraum an die Kirchengemeinde Bockum-Hövel. Der Raum wird von der Kirchengemeinde renoviert, eine Toilette und ein kleines Waschbecken werden installiert, Tische und Stühle gekauft, eine alte Predigtkanzel aus Bockum-Hövel aufgestellt, das Harmonium aus der alten Schule herübergeholt, Kirchmeister Römer stiftet neue Altargeräte. Letzterer und Frau Gabriel werden zu Presbyter für den Bezirk Walstedde berufen. Am 4. Advent kann der erste eigene Gottesdienstraum eingeweiht werden.

Im Schicks Kamp und im Böcken wird neues Bauland ausgewiesen. Viele junge Familien mit Kindern ziehen nach Walstedde, darunter auch etliche evangelische Familien. Das Gemeindeleben wird intensiver. (Verf.)

1972 Eine Männerdienst-Gruppe wird gegründet. Im November führt Pfarrer Böning an drei Abenden eine Bibelarbeit durch. Die Bibelarbeit wird in den folgenden Jahren fortgesetzt. - Presbyterwahl: Die ernannten Presbyter Kirchmeister Römer und Frau Gabriel werden gewählt.(Verf.)

Eine kleine elektronische Orgel wird angeschafft und ersetzt das altersschwache Harmonium. Den Organistendienst versieht Frau Sumik (Verf.)

1973 Einige evangelische Frauen und die Katholische Frauengemeinschaft (KFD) initiieren den Seniorennachmittag für alle Walstedder Senioren. Er findet zuerst alle 2 Monate im evangelischen Gemeindesaal statt (1 ½ Jahre), wurde dann im Gesellschaftsraum der Schützenhalle weitergeführt und zog später in das katholische Pfarrheim um. Dort tagt er monatlich bis heute. (Gespräch mit Frau Krabbe)

1974 gründet Walter Gollan den evangelischen Posaunenchor, in dem von Anfang an evangelische und katholische Bläser mitspielen. . (Gespräch mit Herrn Gollan)

1975 Frau Lassner erwirbt die Vocatio und erteilt den evangelischen Religionsunterricht an der Lambertus-Grundschule. - Diakon Jürgen Ellinger übernimmt die Jugendarbeit in Walstedde. Evangelische und katholische Jugendliche gehören der sehr aktiven Gruppe an. - In Walstedde wohnen jetzt 350 evangelische Christen. – Durch die vielen gemeindlichen Aktivitäten genügt der Gemeinderaum schon bald nicht mehr allen Ansprüchen. Überlegungen werden laut, ein eigenes Gemeindezentrum zu bauen. (Gespräche mit Frau Lassner und Herrn Ellinger) (Gemeindebericht 1978)

1976 Presbyterwahl: Kirchmeister Römer scheidet turnusgemäß aus seinem Amt aus, Frau Schönknecht wird neu gewählt, Frau Gabriel bleibt im Amt. – In Herbern wird ein evangelischer Kirchenchor gegründet, in dem auch Walstedder mitsingen. (Gemeindebericht 1977)

1977 Der Antrag auf Errichtung eines evangelischen Gemeindezentrums in Walstedde wird dem Vorsitzenden des Presbyteriums überreicht. Das Presbyterium stimmt dem Antrag zu. Das Bauvorhaben kann frühestens in drei Jahren in Aussicht gestellt werden. (Gemeindebericht 1978)

1978 Die kirchenmusikalische Andacht am 3.Adventssonntag in der Lambertuskirche wird erstmals vom evangelischen Posaunenchor mitgestaltet und wird bis heute oekumenisch fortgeführt.(Gespräch mit Herrn Gollan)

1979 Der Weltgebetstag der Frauen wird erstmals gemeinsam von der Frauenhilfe und der Katholischen Frauengemeinschaft in der Auferstehungskirche in Herbern gefeiert. 175 Frauen aus Herbern und Walstedde nehmen an dem Gottesdienst teil. – Der Posaunenchor fährt als aktiv blasender Chor zum Kirchentag in Nürnberg. – Frau Böning übernimmt als Dirigentin und Leiterin den evangelischen Kirchenchor. (Gemeindebericht 1980)

1980 Das Grundstück für das evangelische Gemeindezentrum in Walstedde wird gekauft. – Presbyterwahl: Frau Gabriel scheidet turnusgemäß und Frau Schönknecht freiwillig aus dem Presbyterium aus. Gewählt werden Herr Gollan und Herr Schulz als neue Presbyter. (Gemeindebericht 1981)

Zusätzlich zur evangelischen Frauenhilfe wird ein Frauen-Abendkreis gegründet. (Gemeindebericht 1981.)

1984 Der Kreis-Synodalverband stellt die Mittel für den Bau des evangelischen des Gemeindezentrums in Walstedde zur Verfügung. Erste Vorarbeiten beginnen. (Gemeindebericht 1985)

1985 Bau und Fertigstellung des Gemeindezentrums. Es erhält den Namen Paul-Gerhardt-Haus. Die feierliche Einweihung findet am 20. Oktober durch Superintendent Draheim statt. Frau Dobratz wird als nebenamtliche Küsterin, Herr Gollan als nebenamtlicher Kirchenmusiker eingestellt. Erstmals werden die Weihnachtsfeier der Frauenhilfe und der Adventsbasar in Walstedde durchgeführt. - Eine Jungschar, eine Jugendgruppe, eine Mutter-Kind-Gruppe, eine Schachgruppe, ein Helferkreis für den Kindergottesdienst und eine Teilgruppe des Bockum-Höveler Männerdienstes werden gegründet, bzw. neu gegründet. (Gemeindebericht 1986)

1986 Pfarrer Böning erkrankt schwer.– Der Kindergottesdienst, der nur von Laien durchgeführt wird, wird gut besucht. - Auf Anregung des Presbyter Gollan werden die Sitzungen des Presbyteriums nicht mehr nur in Bockum-Hövel sondern abwechselnd auch in Herbern und Walstedde abgehalten. (Gemeindebericht 1987) (Gespräch mit Herrn Gollan)

1988 Am 4. Januar stirbt Pfarrer Böning.

Die Pfarrer aus Bockum-Hövel, vor allem der zuletzt eingeführte Pfarrer Michael Schmidt, betreuen die Predigtstätten Herbern und Walstedde. Frau Lassner erinnert sich, dass angeregt wurde, Walstedde der Ahlener Kirchengemeinde einzugliedern, da durch die Kinder, die in Ahlen weiterführende Schulen besuchen, eine starke Verbindung dorthin besteht. Der Plan wird vorerst nicht ausgeführt, da die vakante Pfarrerstelle bereits ausgeschrieben wurde. – Im November wird Pfarrer Wilfried Voß zum neuen Seelsorger für Herbern und Walstedde gewählt.

Presbyterwahlen: Herr Gollan und Herr Schulz scheiden aus. Gewählt werden Frau Lassner und Frau Helmrich. (Gemeindebericht 1989) (Gespräch mit Frau Lassner)

1989 Pfarrer Voß wird im Januar in sein Amt eingeführt. – Frau Voß übernimmt im November den Kirchenchor. (Gemeindebericht 1990)

1990 Pfarrerin Richter schreibt in ihrem Bericht aus der Arbeit des Presbyteriums und der Kirchengemeinde Bockum-Hövel in der Zeit vom 01.04.1989 – 31.03.1990: …das Verständnis einer Gesamtgemeinde geht langsam verloren. Daher ist es wichtig…den Kontakt zu intensivieren, um der Gefahr entgegenzuwirken, daß diese Gemeinde in fünf Teilbereiche, mit je eigenem Leben ohne Kenntnis voneinander, zerfällt. (Gemeindebericht 1990)

1992 Das Presbyterium beschließt eine Satzung und Geschäftsordnung nach Artikel 77 der Kirchenordnung, wonach in größeren Gemeinden Bezirksausschüsse gebildet werden können. Danach arbeitet jeder Pfarrbezirk für sich. – (Gemeindebericht 1993) In Herbern und Walstedde beginnt der Kleinkatechumenenunterricht. Analog zu den Vorbereitungen zur Kommunion der katholischen Kinder erhalten die evangelischen Kinder der 3. Grundschulklasse kirchlichen Unterricht, der mit der Kleinkatechumenen-Konfirmation, parallel zur Kommunion, beendet wird. Diese Maßnahme setzte bei den Eltern großes gemeindliches Engagement frei und wurde bis 2005 fortgeführt. (Gespräch mit Pfarrer i.R. Wilfried Voß).

1993 Der evangelische Kirchenchor unter der Leitung von Frau Voß besucht zu Pfingsten die Ascheberger Partnergemeinde Rheinsberg in Brandenburg. Hier tritt er in einem Konzert im Rahmen der Rheinsberger Musiktage auf und singt im ARD - Fernsehgottesdienst am Pfingstsonntag mit. – Referent Barjo und Professor Kerketta aus der Gossner-Kirche in Ranchi/Indien besuchen die Gemeinde Herbern/Walstedde. (Gemeindebericht 1994)

1994 Frau Lassner und Frau Helmrich scheiden auf eigenen Wunsch aus dem Presbyterium aus. Ihre Nachfolger werden Herr Mues und Herr Klein. (Gemeindebericht 1995)

1995 Im April reist eine kleine Delegation aus Herbern und Walstedde nach Indien, um im Bereich der „Evangelisch-lutherischen Gossner Kirche in Chotanagpur (und Assam)“ mit einer indischen Gemeinde eine Partnerschaft zu initiieren. Vorgeschlagen wurde durch die Gossner Mission in Berlin eine Landgemeinde im Bundesstaat Bihar, Khuntitoli. – In Herbern/Walstedde entsteht ein Freundeskreis Khuntitoli. – Das zehnjährige Bestehen des Paul-Gerhardt-Hauses wird im Oktober mit einer Festwoche gefeiert. (Gemeindebericht 1996)

1996 Bei der Presbyterwahl bleiben Herr Klein und Herr Mues im Amt. Der Kirchenchor fährt über Pfingsten erneut nach Rheinsberg und gestaltet die Rheinsberger Musiktage mit.- Drei Mitglieder der indischen Gossner Kirche besuchen Herbern und Walstedde.- Im Juli findet eine Sommer-Familienfreizeit in Ramsau/Steiermark statt.

Vor 50 Jahren wurde in Walstedde erstmals ein evangelischer Gottesdienst gehalten, der Kirchenchor besteht 20 Jahre, aus diesem Anlass wird in Walstedde ein großes Sommerfest gefeiert. Der Folklorechor Ascheberg und der katholische Kirchenchor Walstedde gestalten den Festgottesdienst mit. (Gemeindebericht 1997)

1997 Indische Christen besuchen im Juni die Gemeinde Herbern/Walstedde. Der ehemalige Stipendiat des Bezirks Pfarrer Anand Sabyan Hernrom aus Rourkela in Orissa hält einen Taufgottesdienst. – Die traditionelle Familienfreizeit in Ramsau findet im Juli statt. (Gemeindebericht 1998)

1998 Pfarrer Ingo Janzen wird am Pfingstsonntag in Herbern ordiniert und tritt seinen Dienst als Pfarrer z. A. an. - Bischof Topno und Missionsdirektor Dr. Singh der indischen Gossner Kirche besuchen Herbern/Walstedde. Dr. Singh hält in Walstedde einen Gottesdienst. Die Familienfreizeit in Ramsau findet erstmals in den Herbstferien statt. (Gemeindebericht 1999)

1999 Eine kleine Delegation aus Herbern/Walstedde besucht die Partnergemeinde Khuntitoli in Bihar/Indien und Pfarrer Sabjam Hernrom in Zarakudar - Für das GEL-Hospital Amgaon(Indien) werden im Laufe des Jahres 10.000 DM gespendet und der Gossner-Mission in Berlin zugeleitet. – Pfarrer z. A. Janzen beendet seine Tätigkeit in Herbern/Walstedde und tritt eine neue Stelle in Meschede an. (Gemeindebericht 2000)


2000
Die Presbyterwahl ergibt keine Veränderungen: Herr Mues blieibt im Amt, Herr Klein wird wiedergewählt. – Die Familien-Freizeit führt im August wieder nach Ramsau. – Im September besuchen die beiden leitenden Ärzte des Dschungelkrankenhauses Amgaon (Indien) die Gemeinde. Pfarrer Biswas aus Delhi besuchte Herbern/Walstedde vom 17. – 27. Dezember und nimmt aktiv an allen Christfest-Gottesdiensten teil. Ein Förderkreis Chotanagpur Herbern/Walstedde e.V. wird gegründet und tritt an die Stelle des bisherigen Freundeskreises Khuntitoli. Den Vorsitz übernimmt Presbyter Mues. –

Nach einer landeskirchlichen Vorlage beschließt das Presbyterium am 6.Dezember einstimmig, den Pfarrbezirk 3 (Herbern und Walstedde) mitsammt der 3. Pfarrstelle an den Kirchenkreis Münster abzugeben…mit der Begründung, dass der Ruhrgebietsstadtteil Bockum-Hövel und die münsterländischen Dörfer Herbern und Walstedde wenig gemeinsame Strukturen aufweisen und so eine sinnvolle strukturelle Entwicklung miteinander nicht möglich sei. (Gemeindebericht 2001)

2001 Im April stimmt die Kreissynode auf ihrer Sondersitzung diesem Strukturvorschlag zu. (Gemeindebericht 2002)

2002 Der Kirchenkreis Münster benachrichtigt die Gemeinde Bockum-Hövel, dass er Herbern und Walstedde, nicht aber die Pfarrstelle übernehmen wolle. Neue Diskussionen setzen ein. Die geheimen Beratungen bleiben nicht geheim: In sieben verschiedenen Tageszeitungen, die den Bereich Herbern und Walstedde abdecken, erscheinen einseitige Behauptungen und falsche Darstellungen; eine Klarstellung des Superintendenten und eine Pressekonferenz können die aufgebrachten Gemüter nicht beruhigen. Die momentane Situation in der Gemeinde lässt sich leider nur als vergiftet bezeichnen, heißt es im Gemeindebericht, in dem eine eigene Darstellung des Bezirks Herbern/Walstedde diesmal fehlt. – Herr Finck wird als nebenamtlicher Kirchenmusiker für Herbern/Walstedde eingestellt. (Gemeindebericht 2003)

2003 Eine Integration der Gemeindeteile Herbern/Walstedde in den Kirchenkreis Münster ist sowohl an den Bedingungen im Kirchenkreis Münster als auch am Widerstand der Gemeindeglieder und des Pfarrstelleninhabers Herbern/Walstedde gescheitert, heißt es im Gemeindebericht. (Gemeindebericht 2004)

Die Gemeindearbeit hat unter diesen internen Belastungen nicht gelitten. Der Förderkreis Chotanagpur bietet ein Seminar zur Lage der Adivasi (Ureinwohner Indiens) an, als Gast wird Bischof Anand Sabyan Hernrom aus der Partnergemeinde Khuntitoli begrüßt. - Konfirmiert werden sechs Mädchen und vier Jungen. - Der Bezirk Walstedde feiert wie jedes Jahr sein gut besuchtes Sommerfest. Die jährliche oekumenische Radtour am Pfingstmontag von Herbern nach Walstedde fand großen Zuspruch. - Im Oktober besuchen zwei Gemeindehelfer aus der indischen Gossner Kirche die Gemeinde. – Der evangelische Kirchenchor beteiligt sich wie jedes Jahr am Adventskonzert in der St. Lambertuskirche in Walstedde. – Eine neue Gemeindegruppe Fix ab 40 wird gegründet und besteht – trotz der Trennung der Gemeindebezirke – bis heute. (Gemeindebericht 2004)

2004 Pfarrer Voß erkrankt und kann seinen Dienst lange nicht versehen. – Presbyterwahl: Herr Mues scheidet aus dem Presbyterium aus, sein Nachfolger wird Herr Simon. – Im Januar gründet sich ein Förderkreis des Pfarrbezirks Herbern-Walstedde. Er will die Gemeindearbeit im Bezirk finanziell unterstützen. Ein Kindergottesdienstvorbereitungskreis bietet an jedem 2. Sonntag einen Kindergottesdienst an und beteiligt sich am Familiengottesdienst, der am letzten Sonntag im Monat stattfindet. Nach jedem Familiengottesdienst wird ein gemeinsames Mittagessen angeboten, das großen Zuspruch findet. – Ein Redaktionskreis findet sich zusammen, der den Bezirks-Gemeindebrief Duett gestalten soll. – Drei Mädchen und drei Jungen werden in Walstedde konfirmiert. – Frau Rupali Tiru aus Kalkutta besucht die Gemeinde. Sommerfest und oekumenisches Adventskonzert finden in Walstedde statt. (Gemeindebericht 2005)

2005 Pfarrer Voß wird am 30. November aus Krankheitsgründen in den vorzeitigen Ruhestand verabschiedet. Pfarrer im Entsendedienst Frieling übernimmt die Vakanzvertretung als 50 %-Stelle. – Mit der Leiterin des evangelischen Kirchenchores Frau Voß und mit dem Leiter des Posaunenchores Herrn Gollan werden Auflösungsverträge geschlossen. Frau Voß leitet den Kirchenchor ehrenamtlich weiter. Der Kirchenchor gestaltet wie in den vergangenen Jahren das Adventskonzert in der St. Lambertuskirche mit und tut dies bis heute. Der Posaunenchor wurde aufgelöst. Eine kleine Bläsergruppe unter der Leitung von Herrn Krebs findet sich seitdem zweimal monatlich zum Üben im Paul-Gerhardt-Haus zusammen. Größere Auftritte werden nicht mehr wahrgenommen. (Gemeindebericht 2006)

2006 Bei der kreiskirchlichen Visitation im März stellt Superintendent Nierhaus den 50 %igen Erhalt der Pfarrstelle in Aussicht. Im Juni regen der Kirchenkreis Münster und die Kirchengemeinde Drensteinfurt noch einmal an, die Gemeinde Walstedde zu übernehmen (Herbern käme in diesem Fall nach Ascheberg). Die Anfrage überrascht das Presbyterium, da im Vorfeld niemand das Gespräch mit den Beteiligten gesucht hatte. Die Mehrheit des Presbyteriums ist für den Anschluss an Münster, die Bezirkspresbyter sind dagegen. Herbern/Walstedde wurde und wird als ein Problem wahrgenommen, entsprechend konzentrierte sich die Energie auf die Ablösung, nicht auf ein Zusammengehen…..Derzeit zeichnet sich ab, dass im Laufe dieses Jahres…Walstedde…der Kirchengemeinde Ahlen zugeordnet wird. (Gemeindebericht 2006).

Der Gottesdienstbesuch bleibt in Walstedde stärker als in Herbern. Um den Pfarrer zu entlasten wird einer der beiden Gottesdienste auf den Samstagabend verlegt. Einmal im Monat findet ein Kindergottesdienst statt, der von einem Team vorbereitet wird. – Mit Herrn Finck wird ein Auflösevertrag geschlossen. – Die Gruppe Fix ab 40 trifft sich weiterhin regelmäßig zu Gesprächen und Freizeitaktivitäten. Diakon Ellinger leitet monatlich eine Seniorengruppe 60 plus , die mit durchschnittlich 18 Teilnehmern einen guten Zuspruch hat und bis heute – von Ahlen aus - fortgeführt wird. In Walstedde wohnen 460 evangelische Christen. – Das oekumenische Adventskonzert fand wie in jedem Jahr am 3. Advent statt. (Gemeindebericht 2006)

2007 Der evangelische Bezirk Walstedde besteht seit 125 Jahren und kehrt in seine Ursprungsgemeinde zurück. Am 1. September wird der Bezirk Walstedde der Kirchengemeinde Ahlen zugeordnet. Er gehört jetzt zum Bezirk Ahlen-Nord und wurde dort mit offenen Armen empfangen. Auf Haus Küchen wurde das Begegnungsfest der beiden Gemeinden gefeiert. Die Gottesdienste finden jetzt abwechselnd im Paul-Gerhardt-Haus und in der Ahlener Pauluskirche statt, d.h. in Walstedde wird der Gottesdienst alle zwei Wochen gefeiert. Der Konfirmanden- und Katechumenunterricht wird in Ahlen abgehalten. Die Eltern organisieren einen Fahrdienst. – Auch in diesem Jahr sang der evangelische Chor Herbern/Walstedde im oekumenischen Adventskonzert in der St. Lambertuskirche. (Gemeindebericht 2007/2008) (Gespräch mit Frau Dobratz)

2008 Presbyterwahl: Herr Klein scheidet aus, Frau Hintzke-Hartwig wird gewählt, Herr Simon bleibt im Amt. In Ahlen wird ein Begegnungsfest gefeiert. Pfarrerin Gosda übernimmt den Seniorenkreis 60 plus, der allmonatlich zu einem Frühstück mit wechselndem Programm ins Paul-Gerhardt-Haus einlädt. Der evangelische Chor Herbern/Walstedde besteht weiterhin unter seiner ehrenamtlichen Leiterin Frau Voß und sang im oekumenischen Adventskonzert mit, die Proben finden im Paul-Gerhardt-Haus statt. Das Walstedder Gemeindezentrum steht auch anderen Gruppen offen: Die Tanzgruppe des Heimatvereins übt dort, Frau Simon bietet eine musikalische Früherziehung an, die Räume können auch für Familienfeiern gemietet werden. (Gespräch mit der Küsterin Frau Dobratz)



Zusammengestellt von Emmi Gabriel, Drensteinfurt, April 2009



Quellen und Literatur

W. Breucking, Die Entwicklung der evangelischen Gemeinde in Ahlen. In: Ahlener Volks-Zeitung vom 1. April 1923

Brief der Evang. Kirchengemeinde Bockum-Hövel an das Landeskircheamt Bielefeld v. 10.2.1950 Betrifft Kirchgeld. LKA EKvW 4.110 Nr.41

Friedrich Brune, Der Kampf um eine evangelische Kirche im Münsterland 1520 – 1802, Witten 1953

Pf. Wilhelm Bufe, Chronik des Gemeindeteils Walstedde der Evgl. K.G. Bockum-Hövel. (Handschriftliche Aufzeichnungen in einem Schreibheft mit festem Umschlag) LkA EkvW 4.110 Nr. 73

Festschrift zur Einweihung des Paul-Gerhardt-Hauses der ev. Gemeinde zu Walstedde. 1985

Peter Gabriel, Nur Handgepäck durfte mitgenommen werden. In: Münsterland. Jahrbuch des Kreises Warendorf 1996

Peter Gabriel, Vortrag zum 10-jährigen Bestehen des Paul-Gerhardt-Hauses in Walstedde, gehalten am 05.10.1995

Pf. Erwin Lorentz, Geschichte der evangelischen Kirchengemeinde Bockum-Hövel. Essen 1960 (Homepage der evangelischen Kirchengemeinde Bockum-Hövel)

Jens Murken, Die evangelischen Gemeinden in Westfalen. Ihre Geschichte von den Anfängen bis zur Gegenwart. Band 1 S. 245-249. Bielefeld 2008

Prof. Wilhelm Neuser, Die Entstehung einer westfälischen Industriegemeinde. Die Kirchengemeinde Bockum-Hövel 1911 – 1945. In: Jahrbuch für Westfälische Kirchengeschichte Bd. 81, Bielefeld 1988 S. 77 – 94

Gemeindeberichte der evangelischen Kirchengemeinde Bockum-Hövel an die Synode 1950, 1953, 1962, 1965, 1967, 1969,(archiviert beim Landeskirchenamt Bielefeld, Bestand-Nr. 4.110 u. 4.119)

1977, 1978, 1979, 1981, 1985, 1986, 1987, 1988, 1989 , 1990, 1991, 1992, 1993, 1994, 1995, 1996, 1997, 1998, 1999, 2000, 2001, 2002, 2003, 2004, 2005, 2006, 2007-2008 (Gemeindebüro der evangelischen Kirchengemeinde Bockum-Hövel)

Die fehlenden Gemeindeberichte sind leider nicht mehr auffindbar. Die Verfasserin hat sich bemüht, sie durch eigene Recherchen und Erinnerungen zu ersetzen.

 

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