Geschichte des Ev. Männerdienstes
„Einer ist euer Meister, Christus, ihr aber seid alle Brüder.“ (Matthäus 23, 8)
Unter diesem Wort stand und steht noch heute der Evangelische Männerdienst, der sein 75-jähriges Jubiläum feiert.
Allerdings geht aus alten Gemeindeprotokollen hervor, daß 1912 schon ein Evangelischer Arbeiterverein mit 80 Mitgliedern bestand. Auf Initiative von Pastor Wiehe wurde am 1. Februar 1913 der Posaunenchor gegründet, dessen Mitglieder zum Teil auch dem Männerverein angehörten. Im Protokoll des Presbyteriums vom 03.05.1913 lesen wir: „Für das Vereinshaus, die frühere Kapelle, soll ein Konzessionsgesuch für alkoholfreie Getränke eingereicht werden, um so dem Wunsche des hiesigen evangelischen Arbeitervereins entgegenzukommen.“
Als 1914 der erste Weltkrieg ausbrach, wurden über 700 Männer aus der Gemeinde als Heerespflichtige eingezogen, darunter auch viele Mitglieder der kirchlichen Vereine wie Männerverein, Ostpreußischer Gebetsverein, Blaukreuz-Verein.
Der verlorene Krieg wirkte sich ungünstig auf das Gemeindeleben aus. Der Unwille gegenüber der Kirche und ihren Handlungen nahm zu. Es gab viele Kirchenaustritte.
Der Männerverein wurde am 17. November 1920 in einen Männer- und Jünglingsverein umgewandelt. 1924 trennte man sich und bildete gesonderte Gruppen. Am 1. Juni 1924 kam Pastor Pawlowski als Hilfsprediger nach Radbod und sorgte dafür, daß die bestehenden Gemeindegruppen neuen Aufschwung bekamen. Am 27. Juli 1924 wurde Pastor Pawlowski ordiniert. Dieser Tag wurde zum 2. Gründungstag des Männervereins erklärt.
Im 1. Protokoll des Männervereins lesen wir:
„Viele Jahre hatte in der Evangelischen Gemeinde Radbod das richtige kirchliche Leben gefehlt. Es wurde daher von vielen freudig begrüßt, daß einige Zeit nach dem für uns so unglücklichen Weltkrieg einige Männer den „Evangelischen Männer- und Jünglingsverein“ ins Leben riefen. Sie gingen von der richtigen Erkenntnis aus, daß eine rege Vereinstätigkeit das Zusammengehörigkeitsgefühl stärken und alle hemmenden gesellschaftlichen und politischen Gegensätze beseitigen würde. Gerade das Gefühl „wir gehören zusammen als evangelische Christen“ ist für die Gemeinde der Lebensnerv. Nur wenn jeder von diesem Gefühl durchdrungen ist, kann fruchtbringende, segensreiche Arbeit getan werden. Viel Arbeit und viel Gutes hat der Männer- und Jünglingsverein geleistet. Den Männern, die ihre Kraft dem Verein und damit unserer Kirchengemeinde geopfert haben, die nach ihrer schweren Berufsarbeit mit Leib und Seele für den Verein gewirkt und sich ganz besonders der evangelischen Jugend angenommen haben, den Männern gebührt unser Dank. Viele Kräfte, die im Verein schlummerten, konnten nicht geweckt werden, konnten nicht zur Entfaltung kommen. Woran lag das? Es lag an dem Altersunterschied der Vereinsmitglieder. Der Männer- und Jünglingsverein hatte, wie schon der Name sagt, Männer jeden Alters, auch Jünglinge, von denen viele noch im Knabenalter waren. Naturgemäß hat die leichtlebige Jugend ganz andere Ziele, ganz andere Ideale als das erfahrene, durch das Leben gereifte Alter. Die Ansichten und Anschauungen gehen auseinander. Das muß schließlich auf das Vereinsleben nachteilig wirken. (Anmerkung aus heutiger Sicht: Wie sich die Zeiten gleichen!) Es war deshalb zu begrüßen, daß der Männer- und Jünglingsverein zu einer am 13. Juli 1924 stattfindenden Versammlung seine Mitglieder und Freunde einlud und auf die Tagesordnung als Hauptpunkt „Trennung des Männer- und Jünglingsvereins“ gesetzt hatte. Nach längerem Für und Wider beschloß die Versammlung fast einstimmig die Trennung.
Die Ordination des Herrn Pastor Pawlowski, der doch der Vater des Gedanken war, bildete einen willkommenen Anlaß, am selben Tage den „Evgl. Männerverein“ zu gründen. Der Ordinationstag, der am 27. Juli 1924 war, wurde also gleichzeitig der Geburtstag des „Evgl. Männervereins“. Die Gemeinde war auch am Nachmittag zur Ordinations-Nachfeier eingeladen. Einige Redner sprachen von der Bedeutung des Mänenrvereins in der Gemeinde. Zum Schluß der Feier wurden Aufnahmelisten herumgereicht. 150 Männer erklärten ihren Beitritt zum Verein. Für den Anfang eine erfreuliche Zahl.
Da für den nächsten Tag auf der Zeche eine Freischicht eingelegt war, wurde die Gelegenheit ergriffen, gleich die erste Mitgliederversammlung abzuhalten. Nachdem Pastor Pawlowski auf die Bedeutung des Männervereins hingewiesen hatte, beschloß die Versammlung, den Vorstand zu wählen.
Während der Versammlung traten noch einige Männer dem Verein bei, sodaß er jetzt 160 Mitglieder zählt. Mit dem Wunsche, daß bald alle evgl. Männer dem Verein angehören, sodaß er als starke Macht und als Stütze der evgl. Schulen auftreten kann, wurde die Versammlung geschlossen.
v. g. u.
der Schriftführer, gez. Weber“
Der Männerverein kam nun regelmäßig zusammen. Man kannte in jener Zeit noch keinen Achtstundentag, so traf man sich sonntags nachmittags einmal im Monat. Damals war man schon bestrebt, Referenten für diese Versammlung zu bekommen oder Mitglieder an Rüstzeiten teilnehmen zu lassen. Ein Schwerpunkt in der damaligen Zeit war die Mitarbeit der Männer in der kirchlichen Wohlfahrtspflege. Die sittlichen Veränderungen nach dem Krieg machten diese Arbeit nötig. Im Protokoll der größeren Gemeindevertretung vom 10. August 1924 lesen wir: „Von der Gründung einer Arbeitsgemeinschaft der Gemeindevereine, d.h. des Frauenvereins mit etwa 500 Mitgliedern, des Männervereins mit etwa 150 Mitgliedern, des Jungfrauenvereins, etwa 60 Mitglieder, und des Jünglingsvereins, etwa 50 Mitglieder, und der Errichtung eines Gemeinde-Wohlfahrtsamts durch diese Vereine wird Kenntnis genommen.“
In der Niederschrift der Versammlung vom 01.03.1925 ist zu lesen, daß die Zahl der Mitglieder 279 beträgt und am 29.03. ein Vortragsabend mit Pastor Niemöller aus Münster stattfindet.
Das Jahresfest fand am 12. September im noch nicht ganz fertiggestellten Gemeindehaus statt. Die Einweihung des Gustav-Adolf-Hauses war am 27. September 1925.
Zwei Jahre hatten die Mitglieder des Männervereins für die Anschaffung einer Vereinsfahne gespart. Die Firma Carl Koch in Coburg bekam den Auftrag zur Herstellung. Die Fahnenweihe sollte am 26. Juni 1927 stattfinden und für die gesamte Gemeinde ein großes Fest werden. Dazu wurden alle Bürger-, Arbeiter-, Volks- und Männervereine und die Posaunenchöre der Synode Hamm eingeladen. Im Jahresbericht 1927 ist zu lesen:
„Mitgliederbestand am 01.01.1927 = 254, Aufnahmen 52 = 306 Mitglieder. Es fanden 11 Monatsversammlungen statt. Daran nahmen durchschnittlich 60 – 90 Mitglieder teil.“
Im Jahresbericht wird ferner über die am 26. Juni 1927 stattgefundene Fahnenweihe berichtet:
„Trotz Regenwetter bot der Nachmittag noch Gelegenheit, den geplanten Festzug auf verkürztem Wege durch die Kaiserstraße, Wiskott-, Geist-, Hammer-, Strack- und Bülowstraße zum Gemeindehaus zurück auszuführen. Es war eine stattliche Anzahl Männer und Frauen der Gemeinde, die freudig der neu erstellten Fahne folgten. Ist sie doch nach außen hin ein deutliches Zeichen dafür, daß sich trotz aller kirchengegnerischen Bestrebungen, immer noch evagl. Männer und Frauen zum Kreuz bekennen. Die Fahnendeputationen der Brudervereine Heessen und Herringen und vieler Mitglieder aus deren Vereinen nahmen an dem Festakt teil. Der Mittelpunkt des Festes war jedoch der Festgottesdienst, in dem Pastor Seidenstücker aus Soest die Festpredigt über den Wahlspruch des Vereins und die Fahneninschrift „Einer ist euer Meister, Christus“, hielt. Anschließend nahm Pastor Nelle am Altar die Weihe der Fahne vor.“
Da das Protokollbuch des Männervereins von 1928 bis Ende 1940 nicht mehr vorhanden ist, vermutlich ging es im Krieg verloren, können besondere Höhepunkte aus der Arbeit des Vereins nicht mitgeteilt werden.
Pfarrer Lorentz schreibt in der „Gemeindegeschichte“, daß Ende der zwanziger Jahre die Kirchenaustritte sich mehrten und die Freidenker und Kommunisten mit Nachdruck ihre weltlichen Schulen forderten.
1933/34 fanden viele Bürger den Weg zur Kirche zurück. Der Kirchenkampf ging aber jetzt zwischen der „Bekennenden Kirche“ und den „Deutschen Christen“ weiter. Die Arbeit in der Gemeinde wurde schwierig, das bekamen auch die Gemeindegruppen zu spüren.
Anfang September 1939 begann der 2. Weltkrieg, der sich in unserer Gemeinde schicksalhaft auswirkte. Viele Männer wurden eingezogen und kamen aus dem Feld nicht zurück.
Die monatlichen Zusammenkünfte des Männerdienstes – inzwischen wurde aus dem „Männerverein“ der „Männerdienst“ – wurden fortgesetzt, die Teilnehmerzahl durch den Kriegseinsatz immer geringer. Im Jahresbericht 1940 heißt es: „Mitglieder 172, davon im Posaunenchor 25, Neuaufnahmen keine, Austritte 5.“
Den Soldaten-Mitgliedern wurden regelmäßig Grüße ins Feld übersandt.
Am 24. September 1944 fand die letzte Männerdienststunde im Krieg statt. Es war die Jahreshauptversammlung, an der 23 Mitglieder einschließlich Posaunenchor und 11 Gäste aus der Synode teilnahmen.
In der „Gemeindegeschichte“ lesen wir weiter:
„Am 26. September 1944, nachmittags zwischen 15 und 16 Uhr, traf ein Volltreffer amerikanischer Flieger das Gustav-Adolf-Haus. Es wurde zu 90 Prozent zerstört. Es war ein Anblick der Verwüstung und des Grauens. 16 Frauen und unsere Gemeindeschwester fanden den Tod. Viele waren verletzt. 80 Kindergartenkinder waren mit Schwester Alwine Ickler im Luftschutzraum der Kegelbahn geblieben. Diejenigen Kinder aber, die von ihren Müttern vorher herausgeholt waren, kamen mit diesen in den Erdbunkern am Zechenbuschrand ums Leben.
Die Kirche hatte durch die Erschütterungen der Bomben ringsum so gelitten, daß sie nicht mehr benutzt werden konnte. Am 25 Oktober fielen nochmals Bomben auf das Kirchen-, Pfarr- und Gemeindehaus-Gelände. Wieder kamen 16 Menschen ums Leben. Darunter Schwester Alwine Ickler und unsere Küsterin Elfriede Müller. Auch unsere Hausmeisterin Ida Mönnig erlag ihren schweren Verletzungen.
Die Gemeindechronik verzeichnete am Jahresende 1944 einen Verlust von 214 Gemeindegliedern.
Anfang April 1945 (Ostern) rückten die Amerikaner mit ihren Panzern in Bockum-Hövel ein. Dann trat eine Beruhigung der Lage und ein völliges Abgeschnittensein von der Umwelt ein. Keine Post, keine Bahn verkehrte mehr. Bockum-Hövel erhielt eine amerikanische, später eine belgische Besatzung. Die Ausgehzeit, anfangs auf drei Stunden beschränkt, wurde später erweitert.
Bald ging es ans Aufräumen des zerstörten Geländes an Kirche, Pfarrhaus und Gustav-Adolf-Haus, wobei Männer, Frauen und die Jugend der Gemeinde fleißig mitgeholfen haben.“
Am 15. Juli 1945 trafen sich 19 Mitglieder des Männerdienstes zur ersten Zusammenkunft nach dem Krieg. Am 18. November fand die Versammlung wieder im Gustav-Adolf-Haus (im Kellerraum unter dem Gemeindebüro) statt. An der Jahreshauptversammlung am 17. Februar 1946 konnten schon 32 Mitglieder teilnehmen, da nach und nach die Soldaten aus der Gefangenschaft oder Internierung entlassen wurden. Pfarrer Lorentz schreibt zum Abschluß des Jahresberichtes 1946 im Niederschriftbuch des Männerdienstes: „Wir sind dankbar dafür, daß unsere Männerdienstarbeit mit Gottes Hilfe über die Kriegsjahre hat über Wasser gehalten werden können, nun wollen wir an die Weiterarbeit und an den Wiederaufbau gehen.“
Zunächst wurde der Konfirmandensaal bis unter die Orgelempore erweitert, so daß dort der Gottesdienst wieder stattfinden konnte. Die weitere Wiederherstellung der Kirche nahm viel Zeit in Anspruch. Es war nicht leicht, das nötige Material und die Handwerker zu beschaffen. Am 31. Oktober 1948, dem Reformationsfest, fand die Wiedereinweihung der Kirche statt.
Der Aufbau des Gustav-Adolf-Hauses machte die größten Schwierigkeiten und erstreckte sich über einen langen Zeitraum. Als ersten größeren Bauabschnitt erstellte die Gemeinde 1951 den Erfrischungsraum im Souterrain, den Kindergarten im Erdgeschoß und darüber einen neuen Raum für die Nähschule, der auch vom Kirchenchor mitbenutzt wurde.
Seit 1949 besteht das „Sommerfest“ als ständige Einrichtung. Durch den Zuzug der Flüchtlingsfamilien sollte die Gemeinde sich näher kennenlernen. Im September 1951 fand das Sommerfest in den schon errichteten Räumen und nicht nur im Waldgelände statt.
Am 18. November 1951 fand nach der Einweihung des neu errichteten Teilabschnitts des Gustav-Adolf-Hauses als erste Veranstaltung die Männerdienststunde im Erfrischungsraum statt.
Im Jahresbericht 1951 lesen wir: „Mitglieder 154, davon 21 im Posaunenchor, Aufnahmen 17, Durchschnittsbesucherzahl: 42. Am Jahresfest, dem 18. Mai 1952, konnten 64 Mitglieder geehrt werden, die 25 Jahre dem Männerdienst angehörten. Zu dem geselligen Nachmittag hatte die Theatergruppe der Frauenhilfe unter der Leitung von Frau Auguste Quade mit dem Stück von Hans Sachs „Die Altweibermühle“ beigetragen. Ab 1952 waren zum Jahresfest und zur Adventsfeier nun auch die Ehefrauen eingeladen.“
Im Sommer 1952 wurde der erste gemeinsame Ausflug mit dem Bus gemacht. Ziele waren Hohensyburg, Glörtalsperre, Burg Altena und die Dechenhöhle. Bisher machte man die Sommerausflüge nach Stork-Langerbein in Holsen oder nach Möllenbrink im Killwinkel.
1954 begann der Wiederaufbau des Saales und der dahinterliegenden Jugendräume. Wegen großer Geldknappheit zogen sich die Arbeiten bis 1958 hin.
1960 wurden die Monatsstunden des Männerdienstes infolge der 5-Tage-Woche von sonntags auf samstags verlegt.
Der beginnende Wohlstand machte vieles anders. Die ersten Autos wurden angeschafft, und durch das lange Wochenende konnte man mit der Familie etwas unternehmen. Die Zahl der Kirchenbesucher nahm ab; auch der Männerdienst spürte diese neue Entwicklung. Die Monatsstunden waren schwach besucht.
In der Niederschrift vom 4. November 1962 steht: „Jubiläumsfeier zum 50-jährigen Bestehen des Männerdienstes“. Die Feier wurde mit einem gemeinsamen Kirchgang begonnen. Am Festgottesdienst wirkten Posaunen- und Kirchenchor mit. Die Festpredigt hielt Pfarrer Voß aus Herford, der vom 1. Mai 1928 bis zum 28. Februar 1929 Hilfsprediger in unserer Gemeinde war. Die beiden noch lebenden Mitbegründer des „evangelischen Arbeitervereins“ von 1912, Hermann Neumann und Eduard Gertlowski, bekamen die Ehrennadel in Gold. Zur Feier am nachmittag waren alle Gemeindeglieder und die Männerdienstgruppen aus den Nachbargemeinden eingeladen. Pfarrer Voß hielt den Festvortrag über „Sinn des Männerdienstes in der Gegenwart“. Nach den Grußworten der Gäste führte der Mädchenkreis unter Leitung von Schwester Helene das Stück „Es ist etwas passiert“ auf. (Anmerkung: ob sich ältere Gemeindeglieder noch an diesen Jubiläumstag erinnern?).
Der Jahresbericht von 1962 hält fest, daß man noch 144 Mitglieder hat, davon 34 vom Posaunenchor.
1963 wurde angeregt, die Mitglieder außer zu der monatlichen Zusammenkunft auch zu einem geselligen Beisammensein mit Unterhaltungsspielen einzuladen.
Das Bildungswerk der Männerarbeit der Ev. Kirche von Westfalen in Heeren-Werve besteht seit 1949. Die Referenten des Bildungswerkes stehen den Gemeinden zur Gestaltung der Gruppenstunden zur Verfügung. In all den Jahren wurden die Angebote dieser Einrichtung in Anspruch genommen und Themen über Glauben, Ethik, Wirtschaft, Politik und Gesellschaft behandelt. Die Angebote zu den Rüstzeiten in Heeren oder Stentrop werden bis in die heutige Zeit wahrgenommen.
Es gab auch mal einen Krankenhausbesuchsdienst für die Betreuung der Mitglieder. Vor ca. 20 Jahren wurde von der Gemeinde ein Besuchsdienst eingerichtet, an dem sich Frauen und Männer aus verschiedenen Gruppen der Gemeinde beteiligen.
Der seit 1969 bestehenden Basar ist eine feste Einrichtung der Gemeinde geworden. Der Männerdienst trägt auch hier zum Gelingen bei.
Durch Zechen- und Betriebsstillegungen gingen immer mehr Männer in den Vorruhestand und waren zum Teil nicht glücklich darüber. Als Angebot einer sinnvollen Beschäftigung hat sich 1984 eine Bastelgruppe gebildet, die ihre Erzeugnisse, zum größten Teil Holzspielzeug, für die Basare zur Verfügung stellt.
Inzwischen ist der „Bastelkeller“ eine Werkstatt mit modernen Maschinen geworden, die einem Handwerksmeister das Herz höher schlagen läßt.
Durch Anregung, Organisation und Beihilfen des Bezirksverbandes der Männerarbeit in Westfalen wurden in den letzten Jahren Reisen in die neuen Bundesländer gemacht. Nach 40 Jahren Grenze und Stacheldraht möchte man das östliche Deutschland kennenlernen. Für einige Teilnehmer ist es eine Reise in die Vergangenheit mit teils schmerzlichen Erinnerungen.
Seit Gründung unserer Gemeinde am 11. Juli 1911 (vor dieser Zeit wurden die evangelischen Familien hier durch Hilfsprediger aus Hamm betreut) waren außer den Pfarrern und Pfarrerinnen stets Männer, Frauen und auch Jugendliche bereit, das Gemeindeleben zu aktivieren und viele Dienste ehrenamtlich zu übernehmen. Dem Männerdienst möchte man weiterhin solche Helfer wünschen.
Anläßlich der Jubiläen wird gerne von der guten alten Zeit gesprochen. Thomas Schlaudraff schreibt dazu: Die „gute alte Zeit“. Was war eigentlich so gut an der alten Zeit? Die katastrophalen Zustände die viele Menschen belasteten: Armut, schlechte medizinische Versorgung, harte Arbeit ... im Grunde Zustände, die heute kein vernünftiger Mensch zurückwünschen würde.
Vielleicht muß man genauer fragen, was gut war an dieser Zeit, Die Antwort taucht in Erzählungen derer auf, die diese Zeit erlebt haben. Sie ist spürbar und sie macht die verlorene Substanz unserer modernen Zeit sichtbar. Einer war wohl mehr angewiesen auf den anderen – nicht immer angenehm, aber den Wert und Sinn von Gemeinschaft konnte man durch die Praxis eher ermessen.
Früher hatte man wenig und mußte, um zu überleben, das Wenige noch teilen. Trotzdem hat es für alle gereicht und man hat es als Gnade und als Geschenk erfahren.
Auch unserer Gemeinde ist das Wechselbad von guter und schlechter Zeit nicht erspart geblieben.
Der Rückblick auf die Geschichte der Gemeinde und des Männerdienstes ist heute Vergangenheit! Für die Zukunft werden hoffentlich immer Männer und Frauen bereit sein, ihre Mithilfe zum Wohl der Gemeinde und der Gemeindegruppen nicht zu verweigern. Nur so kann die jahrzehntelange Arbeit fortbestehen.
Wilhelmine Effenberger
Quellennachweis: 50 Jahre Evangelische Kirchengemeinde Bockum-Hövel, Pfarrer E. Lorentz; Presbyteriumsprotokolle; Niederschriften des Männerdienstes




















