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Der Wiederaufbau

Nachkriegzeiten...

Der Wiederaufbau
Wiederaufbau im Inneren-Geistlicher Wiederaufbau
Ökumenische Beziehungen
Die Schulen
Der Wittekindsblock

 

Der Wiederaufbau

a) im Äußeren (Gebäude; Institutionelles)
Zunächst wurde der Konfirmandensaal bis unter die Orgelempore erweitert, so daß in diesen behelfsmäßigen Raum die Gemeinde bereits Pfingsten 1945 wieder einziehen konnte. Die weitere Wiederherstellung der Kirche nahm mehr Zeit in Anspruch, zumal Material und Handwerker, um die man fast betteln mußte, schwer zu haben waren, es war ja Hungerszeit, und wer irgend konnte, ging aufs Land zum Hamstern! Zur Wiederherstellung des Gewölbes wurden die Maurer wochenlang mit Lebensmitteln verpflegt, die freundliche Leute des Münsterlandes und das Evangelische Hilfswerk geschenkt hatten. Auf genaue Entsprechung der Ausmalung (Josef Hölscher) von früher im Innern mußte verzichtet werden.

Am 31. Oktober 1948, Reformationstag, fand die feierliche Wiedereinweihung durch Pfarrer Echternkamp statt, wobei Präses D. Koch über Psalm 46, Vers 7 u. 8, und Superintendent Dr. Viering über 1. Petrus 2, Vers 5 zu der über 1000köpfigen Gemeinde bei der Nachfeier sprachen. Es ist auch das kleine Häuschen hinter der Kirche wiederaufgebaut worden, wozu, und zu noch anderem, der Jungmädchenbund 2500 DM gesammelt hatte.

1950 wurde der Kirchturm (Wilh. Schäfer) neu beschiefert, und als letztes erfolgte, 1953, dann der Wiederaufbau der zerstörten Mauer an der Straße.

Mit der Wiederherstellung des Pfarrhauses wurde auch bald begonnen, so daß die Pfarrfamilie es wieder leidlich bewohnen konnte. Daß die Maurerarbeiten an Kirche und Pfarrhaus so rasch in Angriff genommen werden konnten, ist dem Entgegenkommen von Bauunternehmer Wesselmann sen. zu verdanken.
Die zerstörte Pfarrgartenanlage stellte Gartenmeister Hans Schmidt in einer schönen Anlage wieder her und machte sie nebst den neugepflanzten Obstbäumen der Kirchengemeinde zum Geschenk.

Der Wiederaufbau des Gustav-Adolf-Hauses - zweiter Männerdienstobmann Langwieler fungierte als „Baudirektor" - machte die größten Schwierigkeiten und erstreckte sich über einen langen Zeitraum. U, a. trug der CVJM, unterstützt durch die Maurerlehrbauwerkstätte Hamm, viel durch Selbsthilfe zur Herrichtung seiner Räume bei. Die Küche wurde wieder erneuert und diente längere Zeit als einziger Versammlungsraum überhaupt. Auch der alte Jungmädchenraum kam wieder in Ordnung.

Als ersten größeren Bauabschnitt erstellte die Kirchengemeinde den Erfrischungsraum, den Kindergarten und darüber einen neuen Nähschulraum, den der Kirchenchor zum Üben mitbenutzt (1951, Bauunternehmer: Rudolf Wenthaus; Architekt: Hermann Kleinholz, wie bereits 1925).

Die Wiederherstellung des großen Saales zog sich noch länger hin (bis 1958), da es an Geldmitteln fehlte. Seine Notwendigkeit wegen seiner zentralen Lage und seines Wertes für die Allgemeinheit wurde immer wieder gefordert. 1954 wurde begonnen (Bauunternehmer: Fritz Wesselmann). Unter der Bühne entstand ein neuer Klubraum für den CVJM, die Bühne selbst kann als Versammlungsraum mitbenutzt werden, und über der Bühne erhielten die jungen Mädchen ein neues Heim, alles, wie auch der Saal selbst, ansprechend und geschmackvoll eingerichtet (Malerarbeiten durch Josef Hölscher).

Zur Wiederherstellung von Kirche, Pfarrhaus und Gustav-AdolfHaus hat die Kirchengemeinde wohl manchen materiellen und finanziellen Zuschuß bekommen durch Zeche, Staat und Kommune, aber im wesentlichen aus kircheneigenen Mitteln dazu beigetragen, was ihr zur Ehre gereicht.

Bereits am 7. Mai 1945 konnte der Kindergarten unter Leitung von Fräulein Margot Läge mit 40 Kindern behelfsmäßig in der Philipp Melanchthon-Bücherei eröffnet werden. Die Leitung der Nähschule übernahm später Schneidermeisterin Margarete Kniest; die Gemeindeschwesternstation fand im Pfarrhause in zwei Mansardenzimmern eine neue Unterkunft, sie wurde 1945 wieder mit einer Wittener Diakonisse, Schwester Minna Krieger, besetzt, heute mit Schwester Helene Symanski. Als neuer Hausmeister fungierte Diakon Bluhm, der im Gustav-Adolf-Haus mit seiner Familie untergebracht war und sich der männlichen Jugend und auch des Dienstes in Herbern anzunehmen hatte. Auf ihn folgte nach gut einem Jahr als Hausmeister Nikolaus Schweinsberg bzw. seine Frau, und auf ihn bis heute Frau Wanda Beier, Flüchtling aus Lodz.

Da die kirchliche Verwaltungsarbeit sehr gewachsen war, richtete die Kirchengemeinde am 1. April 1950 im Raum der Philipp-Melanchthon-Bücherei ein Gemeindeamt ein, mit dem Herr August Bobe betraut wurde. Er übernahm zugleich den Küsterdienst als Nachfolger von Frau Elfriede Varenhold, deren Familie fast 40 Jahre den Küsterdienst innegehabt hatte. Heute versieht den Küsterdienst Frau Irmgard Diedrich bzw. deren Mann, für die im Gustav-Adolf-Haus eine Küsterwohnung geschaffen wurde.

Bald nach Kriegsende, 1945, löste die Kirchenbehörde das Amt eines Finanzbevollmächtigten auf; Herr Walter Faber, der es innehatte, blieb aber weiterhin Kirchenkassenrendant bis zu seinem Tode, 1948; sein Nachfolger wurde Herr Hermann Holtmann; heute ist es Herr Albert Eil jun.

Ebenfalls 1945 wurde die Bildung eines „vorläufigen Kirchenausschusses" verfügt; ihm gehörten an: Walter Faber als Kirchenkassenrendant, Franz Thiele, Obmann des Männerdienstes, Hans Schmidt, Leiter des CVJM, und Arthur Schmidt, Dirigent des Posaunenchors. Nach diesem Übergang kam es dann, 1948, zur Wahl eines Presbyteriums: Albert Eil sen., Gotthardt Schäl, Arthur Schmidt, Hans Schmidt, Paul Schweinsberg, Gustav Stellmacher, Franz Thiele, Dr. med. Hermann Vogt. Später traten aus Herbern noch hinzu: außer Pfarrer Dr. Klein erst Presbyter Stellmacher, dann Adolf Bräunig und Gerhard Alisch, und aus Walstedde außer Pfarrer Bufe Herr Blumenau.
Ein aus allen Mitarbeitern der Kirchengemeinde bestehender Gemeindebeirat trat dem Presbyterium bald zur Seite.
Kirchmeister wurde Posaunenchordirigent Arthur Schmidt.
1946 kehrte Pfarrer Echternkamp, mit großer Freude von der Gemeinde begrüßt, aus der Gefangenschaft zurück.

Im gleichen Jahr wurde die Philipp-Melanchthon-Bücherei wieder eröffnet, im Laufe der Jahre aber wenig benutzt.
Ein wirtschaftlich einschneidendes Ereignis war der „Währungsschnitt", die Umstellung auf die „D-Mark", 1948; es folgte die „Gegenwartsbesteuerung" und der Anschluß unserer Kirchengemeinde an den Gesamtkirchensteuerverband Münster.

Seit 1949 besteht das „Sommerfest" als ständige Einrichtung, wobei die Gemeinde sich näher kennenlernen soll und der Reinertrag einem kirchlichen Gemeindezweck zugeführt wird.

Im folgenden Jahr, 1950, kam es zur Gründung des Gemeindehausbauvereins unter Vorsitz von Bergassessor Schulte-Borberg. Nach Auflösung des Vereins, 1958, schloß sich unmittelbar die Gründung eines Kirchbauvereins in loser Form an, der durch etwa 120 Sammler und Sammlerinnen monatliche Beiträge einsammelt, denn ein neues Gemeindezentrum mit Kindergarten und Pfarrhaus wird im Norden der Stadt zur Notwendigkeit.
Von 1950 an bekam die Gemeinde Lehrvikare (s. bes. Verzeichnis) zugewiesen, deren erster Heinz Elsermann war -- sie wohnten im Pfarrhause -, und 1953 zog als erster Hilfsprediger (s. bes. Verzeichnis) Friedrich Kochs in die Gemeinde ein, nachdem eine ständige Hilfspredigerstelle von der Kirchenbehörde genehmigt war. Für die Hilfsprediger wurde jeweils ein besonderer Seelsorgebezirk abgezweigt.

Am 11. November 1953 besuchte anläßlich einer synodalen Kirchenvisitation Präses D. Wilm unsere Gemeinde, herzlich empfangen vom Posaunenchor mit Gustav Adolfs Feldlied und dem Lutherliede.
Als nach dem Kriege auch viele evangelische Flüchtlinge in unsere Gemeinde einströmten, deren Zahl im Jahre 19,16 bereits 728 betrug und später noch viel stärker anwuchs, kam es zur Einrichtung eines „Evangelischen IIilfswerks", dessen Gesamtleitung im britisch be-setzten Gebiet Pastor Pawlowski, Bielefeld (1924-1926 in BockumHövel), hatte. Auch in unserer Gemeinde bildeten sich ein Komitee und ein besonderer Freundeskreis. So konnten z. B. 1946 über 1600 Alte, Arme und Flüchtlinge betreut werden. Später kamen Verschickungen zu verbilligten Kuren (Usseln im Hochsauerland und Nordseeinsel Borkum) hinzu.

1950 wurde uns ein Pfarrbezirk der evangelischen Kirchengemeinde Berlin-Köpenick als Patengemeinde zugewiesen, die durch Gaben aus dem „Korb der Barmherzigkeit" (im Vorraum der Kirche) und durch sonstige Sammlungen unterstützt wird.

1951 führte das Presbyterium eine neue Läuteordnung ein (1956 Elektrifizierung des Geläuts), und ebenfalls 1951, und auch 1952, besuchte eine „Studentenmission" (Theologiestudenten) unsere Gemeinde.

Die Kirche bekam einen „Aushängekasten", in dem eine Zeitlang auch der „Evangelische Filmbeobachter" zu Worte kam. Am Ende des Jahres weihte die politische Gemeinde einen neuen „Zentralfriedhof" mit einer Kapelle an der Bockumer Straße ein. Auf ihm findet nun auch am Totensonntag eine Gedenkfeier statt, während die Feiern am Bergmannsehrenmal fortgefallen sind.

Das Gustav-Adolf-Haus bekam im Vorraum eine Gedenktafel für die durch Fliegerbomben umgekommenen Gemeindeglieder geschenkt. Eine Arbeitsgemeinschaft „Kirche und Gewerkschaft" trat 1956 ins Leben, die von einem Komitee geleitet wird. Außerdem bildeten sich später eine „Christliche Gewerkschaft" und ein „Christlich-Sozialer Verein" (EAB), beide unabhängig von der Ortskirchengemeinde.

1956 erwarb die Kirchengemeinde für den Bau eines Gemeindezentrums von den Hagenholtschen Erben ein 10 000 qm großes Grundstück an der Uphofstraße, das z. Z. an den Hauderer Gerhard Döbbe verpachtet ist.
Am 1. Oktober 1954 richtete die Gemeinde ihre dritte Pfarrstelle mit Sitz in Herbern ein (Pfarrer Dr. Klein).
1956 wurde Bockum-Hövel Stadt.
1958 berief das Presbyterium einen Kindergartenvorstand; am 1. Juli 1959 trat Pfarrer Bufe (Walstedde) in den Ruhestand, und am 1. Oktober 1959 Pfarrer Lorentz, der nach Marburg (Lahn) verzog. Als sein Nachfolger wurde Pastor Karl Uffmann am 13. Dezember 1959 durch Superintendent Dr. Viering in sein Amt eingeführt.

 

Wiederaufbau im Inneren-Geistlicher Wiederaufbau

Nach dem Kriege ist der Reformationsfestgottesdienst der Gemeinde am 31. Oktober vormittags eine ständige Einrichtung geworden.

Der Versuch, Früh- und Abendgottesdienste (für Nachtschichtler) einzuführen, 1954/1955, ist wegen zu geringer Beteiligung gescheitert.In der Kirche wird auf Anregung von Präses Wilm seit einigen Jahren nach dem Segen gesungen: „Verleih uns Frieden gnädiglich", um zum Ausdruck zu bringen, nur Gott selbst kann in dieser durch die Atomangst beunruhigten Welt den Frieden sichern.

Aufs Ganze gesehen ist der Gottesdienstbesuch in den letzten Jahren zurückgegangen, wofür wohl die Gründe in der Sattheit durch den wirtschaftlichen Aufschwung und in der zunehmenden Motorisierung zu suchen sind.
1948 fand zum erstenmal zwischen Totensonntag und Advent eine Bibelwoche statt, die auch von Laien mitgestaltet wird und Sitte geworden ist. Auch Hausbibelstunden traten zur Gemeindebibelstunde hinzu.

In der „Bockum-Höveler Zeitung" wird seit 1957 von den Geistlichen beider christlichen Konfessionen abwechselnd „Ein Wort zum Sonntag" geschrieben.

Weiter dient der Erbauung das Sonntagsblatt „Unsere Kirche" (seit 1948) mit einem besonderen Nachrichtenblatt für die Gemeinden der Synode, ohne die Bezieherzahl des früheren Blattes „Friede und Freude" erreicht zu haben.

Seit 1958 wird monatlich ein ,Gemeindebrief" herausgegeben, den Pfarrer Echternkamp redigiert, der jedem evangelischen Haushalt zugedacht ist, und bei der Einsammlung für das neue Gemeindezentrum verteilt wird. Er unterrichtet ausschließlich über Anliegen in der Gemeinde.

In guter Erinnerung stehen die Advents- und Wiedersehensfeier des CVJM, 1945, nach dem Kriege, die Veranstaltung für alle Soldaten, 1946, und der Männer- und Heimkehrergottesdienst, 1948.

Unsere Jugend erfreute die Gemeinde durch fast jährlich aufgeführte Krippenspiele und auch sonst durch Laienspiele und zeigte, daß sie nicht nur ein Eigenleben zu führen, sondern sich auch in den Dienst der Gemeinde zu stellen weiß. Eine besondere Freude war des öfteren das Adventssingen der jungen Mädchen bei Alten und Kranken.
Der Versuch, das „Quempassingen" einzuführen, ist ein Versuch geblieben.
Der Kirchenchor hat sich durch weihnachtliche Musik in der Adventszeit und bei allen festlichen Gelegenheiten zur Verfügung gestellt und vergißt auch die Kranken am Heiligen Abend im St.-Josefs-Krankenhaus nicht.

Der Posaunenchor findet sich zu jeder gemeindlichen Veranstaltung bereit, am Heiligen Abend verkündet er, in den verschiedenen Stadtteilen jährlich wechselnd, durch Blasen die Weihnachtsbotschaft, und hat auch in den Flüchtlingsgemeinden Herbern und Walstedde viel Freude bereitet.
Zur geistlichen Erbauung trugen auch bei: das Leipziger Soloquartett (Röthig, 1949), das Biblische Schauspiel der Iserlohner: „Ihr werdet sein wie Gott" (1952), und stud. phil. Studnick (Marburg) durch Orgelmusik auf der nach dem Krieg wiederhergestellten und verbesserten Orgel.

Zu einer Freizeit traf sich die konfirmierte Jugend, 1955, in der Klostermühle.
Mehrere Evangelisationen, darunter auch eine Zeltmission, erbauten die Gemeinde, ohne allerdings das Ziel der Erfassung auch der kirchlich Außenstehenden erreicht zu haben.

Der Großmütterverein ist ein besonderes Pflegekind der Gemeindeschwester, wie ja überhaupt die gemeindliche Arbeit ohne unsere Diakonissen nicht zu denken ist, die für das leibliche und seelische Wohl ihrer Gemeindeglieder so treu zu sorgen wissen.Der Ostpreußische Gebetsbund und der Blaukreuzverein begannen wieder, sich zu sammeln.
Im Zusammenhang des geistlichen Aufbaus sei aber auch der Arbeit des Männerdienstes gedacht (Vorträge und Unterstützungen), der im Unterschied zur EAB, die das Soziale betont, die Bruderschaft aller Männer der Gemeinde pflegen will, und der Frauenhilfen, 1954 ist die Frauenhilfe in eine Bockumer und Höveler Frauenhilfe geteilt worden, was sich bei dem Wachsen der Gemeinde als notwendig erwiesen hat. Die Frauenhilfen treiben ebenfalls erbauliche Arbeit und lindern durch Unterstützungen und Zuschüsse manche Not; ihre Spielschar konnte durch ihre Aufführungen Freude und Ernst vertiefen helfen, und bei den Frauenhilfsausflügen wurden gern Sozialwerke der Inneren Mission besichtigt und Andachten in Diasporakirchen gehalten.

Die nach dem Kriege entstandenen „Deutschen Evangelischen Kirchentage" und Evangelischen Akademien sind auch von unserer Gemeinde beschickt worden; ihre Berichterstatter, junge und alte, haben dann immer die Gemeinde innerlich nacherleben lassen.
Seelsorgerlicher Dienst ist es auch, der im St.-Josefs-Krankenhaus von den Geistlichen allwöchentlich getan wird.

Bei Öffentlichkeitsanliegen der Stadt konnten auch die Geistlichen beider christlichen Konfessionen ihre geistliche Note mitbeitragen.

 

Ökumenische Beziehungen

Eine Kirchengemeinde besteht nicht für sich selbst, sondern nur als Glied der „Einen heiligen christlichen Kirche", sie ist also Glied der „Ökumene". So hat auch unsere Kirchengemeinde ihre ökumenischen Beziehungen. Das war der Fall, als der Holländer Petrus Huigens ohne jedes Haßgefühl bereits 1949 im CVJM über „Weltweite Bruderschaft" sprach, ein Sendbote der Versöhnung!

Ökumenisch war das Handeln jener unbekannten Christen aus Amerika (vielfach Mennoniten), die in den Hungerjahren nach dem Kriege auch unsere Gemeinde mit Care-Paketen (durch das Evang. Hilfswerk) bedachten.

Ökumenisch ist die Arbeit des Gustav-Adolf-Vereins noch heute, der den evangelischen Diasporagemeinden in der ganzen Welt seine Hilfe bringt. Wir haben bei uns von dieser Ökumene etwas erfahren können, als Pastor Taube aus Riga vor dem Kriege bei uns war, und Pfarrer Kienecker (Hamm) uns oft von der Diaspora in Österreich so anschaulich berichtete. Ein praktisches Erleben der Ökumene war auch jene Spende der evangelischen Gemeinde in Göteborg in Höhe von 3000 schwedischen Kronen (= knapp 3000 DM) zur Wiedereinrichtung unseres völlig zerstörten Kindergartens nach dem Kriege. Und der Beitrag unsererseits zu diesem ökumenischen Werk der Diaspora ist ja unser Gustav-Adolf-Verein in Bockum-Hövel, der jährlich seine Mitgliederbeiträge einhebt; und auch die große Sammlung für die Hungernden („Brot für die Welt", 1959) war ja eine ökumenische Tat.
Eine ganz besonderes ökumenisches Erlebnis eigener Art hatte unsere Frauenhilfe, als 1953 die indonesische Bibelfrau aus dem Bataklande, Schwester Tiarasi Lumbantobing, in fließendem Deutsch aus ihrer Arbeit erzählte.

In den weiten Rahmen der Ökumene gehört auch die Heidenmission. Durch die Rheinische Mission ist unsere Gemeinde sehr mit ihr verbunden. Um aus den Vielen nur einige zu nennen: Missionar Schildmann (Sumatra) hielt eine noch heute in guter Erinnerung stehende Jugendmissionsfreizeit, 1949; Schwester Erna Wilkening (Südwestafrika) und Schwester Brigitte Bahr (Mentawei) stehen mit unseren Frauenhilfen in besonderer Verbindung. Das Presbyterium berief einen neuen Missionsausschuß.

Obwohl in unserer Gemeinde schon viel für die Heidenmission getan wird, so beschränkt sich diese Tätigkeit doch nur auf einen verhältnismäßig kleinen Kreis. Aber dem Ziel muß weiter entgegengestrebt werden: Mission ist Sache der ganzen Gemeinde und der Kirche!

 

Die Schulen

1939 wurden alle Schulen in Bockum-Hövel in sogenannte „Deutsche Schulen" umgewandelt. 1940 unterrichtete Pfarrer Echternkamp in der damaligen Lietzmannschule (Freiligrathschule) 140 Kinder in Religion (bis er eingezogen wurde).

Nach dem Kriege ergab eine Abstimmung über die Schulform: 80,70/o für die konfessionelle Schule, 19,30/o für die Gemeinschaftsschule. Obwohl eine nochmalige Abstimmung 77,80/9 für die konfessionelle Schule und 22,2 °/° für die Gemeinschaftsschule ergab, entstanden 1946 zwei Gemeinschaftsschulen (Freiligrathschule und AlbertSchweitzer-Schule) mit weit überwiegender Mehrzahl evangelischer Kinder.

1956 bildete sich eine Arbeitsgemeinschaft „Kirche und Schule", ein fruchtbarer Austausch zwischen Pfarrern und Lehrern in Fragen des Religionsunterrichts.
1950 kam es zur ständigen Einrichtung eines Schulgottesdienstes an jedem ersten Montag im Monat, meist unter Mitwirkung der Schulen, und 1959 auch zum ersten Schulentlassungsgottesdienst.

Ab 1946 wird evangelischer Religionsunterricht (Christliche Unterweisung) an der Kreisberufsschule gegeben, und ab 1950 auch an der Bergmännischen Berufsschule der „Zeche Radbod".

Den Pfarrern zur Unterstützung wurde der Hilfsprediger Pastor Eiselen, für den mit seiner Familie eine Mietwohnung: Im Brüggenkamp 52 besorgt wurde, im besonderen mit Erteilung des Religionsunterrichts an den Berufsschulen beauftragt. Abgelöst wurde er durch Pastor Uffmann und Pastor Stöcker.

Von Ostern 1958 ab kamen auch für die evangelischen Geistlichen 6 Religionsstunden an der neuerrichteten Realschule hinzu, da es an Religionslehrern mangelt.

 

Der Wittekindsblock

Bereits 1939 wurden durch Pfarrer Echternkamp Bibelstunden eingerichtet und im Kriege fortgesetzt durch Lehrer Schäl. Nach dem Kriege kam es, 1951, zur Einrichtung eines 14tägigen Gottesdienstes (auch mit Abendmahl und Taufen). Der Posaunenchor übernahm das Blasen der Liturgie. Seit 1958 finden die Gottesdienste in einem von der Zeche zur Verfügung gestellten Raum, Kampstraße 5, statt. Ein Harmonium löste den Posaunenchor ab. Seit Dezember 1959 finden die Gottesdienste jeden Sonntag statt.

 

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